Verstehen wollen, wie andere Menschen ihre Religion leben. Wie sie glauben. Und warum. Dieses tiefe Bedürfnis habe sie einen Weg mit vielen Windungen gehen lassen, sagt Johanna Menzemer. Den für sie richtigen Weg. Jetzt wurde sie von Superintendent Markus Zimmermann mit einem Gottesdienst der Begegnungsgemeinde in Köln-Weidenpesch feierlich ordiniert. „Du willst den Dingen auf den Grund gehen. Das ist eine deiner wunderbaren Eigenschaften“, so Markus Zimmermann, der den Gottesdienst gemeinsam mit Pfarrerin Susanne Zimmermann hielt, in seinen einleitenden Worten zu der 33-Jährigen.
Am Gottesdienst nahmen auch zahlreiche Gemeindeglieder der Evangelischen Kirchengemeinde Wesseling teil, in der Pfarrerin Johanna Menzemer ab Juni mit einer halben Stelle parallel zu ihrer Arbeit im Seelsorgeteam der Uniklinik tätig ist.
Superintendent Zimmermann wählte eine Bibelstelle aus dem Buch Josua. Den Moment, in dem das Volk Israels mit seinem neuen Anführer Josua das Ufer des Jordan erreicht und das gelobte Land erblickt. „40 Jahre in der Wüste liegen hinter ihnen, 40 Jahre mit all den Dramen, die uns in der Bibel berichtet werden“, so Zimmermann. Dieser Moment sei beides gewesen. „Wow! Es ist geschafft!“ Zugleich hätten noch viele große Herausforderungen vor ihnen gelegen.
„Johanna, wow! Du hast deine Vikariatszeit beendet, wirst heute ordiniert, und auch bei Dir liegt schon Vieles in der Vergangenheit. Keine Wüstenzeiten, aber doch immer wieder neue Überlegungen und Entscheidungen“, schilderte der Superintendent mit Blick auf ihren bisherigen Lebensweg.
Aufgewachsen in einem evangelischen Pfarrhaus in Essen hatte sich Menzemer als Schülerin für ein Gastjahr in einer katholischen Familie in Paraguay entschieden. Nach dem Abitur folgte ein Jahr Freiwilligendienst in einem jüdischen Sozialzentrum der Aktion Sühnezeichen in Minsk und zugleich in einem Heim für Jugendliche mit Beeinträchtigung. Nach einem Semester Religionswissenschaften wurde ihr klar: „Das ist nicht die Zielrichtung, in die ich gehen möchte.“ Sie beschäftigte sich intensiv mit ihrer eigenen Glaubenstradition, wechselte zum Studium der evangelischen Theologie – aber nicht, um Pfarrerin zu werden. Nach der Zwischenprüfung habe sie sich wieder gefragt: Wie soll es weitergehen? Während eines Praktikumssemesters in einer Beratungsstelle für Ehepaare und Familien in freier Trägerschaft wurde ihr klar: Mir fehlt die Theologie. Auf den Studienabschluss folgen zweieinhalb Jahre Vikariat in der Begegnungsgemeinde mit Pfarrerin Susanne Zimmermann als Mentorin.
Bei der Bewältigung der Aufgaben, die vor ihr lägen, solle sie die Zusage Gottes an Josua ermutigen, so Superintendent Markus Zimmermann: „Ich habe dir doch gesagt, dass du stark und mutig sein sollst. Fürchte dich nicht und schrecke vor nichts zurück, denn der Herr, Dein Gott ist mit dir, bei allem was du unternimmst.“ Eine Zusage, die Menzemer bereits als Konfirmationsspruch gewählt habe.
„Unterstützung bekommst du aber auch durch dich selbst. Durch dein genaues Zuhören kannst du, durch deinen Wunsch, nicht alles alleine machen zu wollen, sondern auch gerne im Team zu arbeiten“, sagte Zimmermann. „Und durch deine Vielseitigkeit, die dich dazu veranlasst hat, einen Teil deines Probedienstes in der Kirchengemeinde Wesseling zu absolvieren und mit dem anderen noch tiefer in die Krankenhausseelsorge an der Uniklinik zu schauen.“
„Der Mensch denkt, Gott lenkt“,
Nach der feierlichen Ordination begann die 33-Jährige ihre erste Predigt als Pfarrerin mit einem Moment aus ihrer Krankenhaus-Seelsorge. Nach einem intensiven Gespräch mit einem Patienten über dessen Leben, das Gelungene darin und auch das nie Erreichte, habe sie ihn eines der Lose mit Textstellen aus der Bibel ziehen lassen, die sie immer dabeihabe. Darauf habe gestanden: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber Gott allein lenkt seinen Schritt“ aus dem Buch der Sprüche (16,9), kurz „Der Mensch denkt, Gott lenkt“, was der Patient flugs in „Der Mensch dachte, Gott lachte“ umgedichtet habe.
Wie oft hat Gott wohl schon über meine Pläne gelacht, habe sie sich gefragt. „Was ich nicht alle geplant habe.“ Als Kind habe sie Kioskbesitzerin werden wollen, umgeben von Kratzeis und bunten Tüten. Dann Kapitänin. „Pfarrerin war nicht der Plan“, so Menzemer schmunzelnd.
In der Übersetzung des Satzes aus dem Buch der Sprüche, 16,9, durch Luther erscheine es so, als ob die Pläne der Menschen und die Vorhaben Gottes im Widerspruch zueinander stünden. Der Mensch erscheine als dem Willen Gottes ausgeliefert, ohnmächtig und unfrei. Dem stellte Pfarrerin Menzemer entgegen, dass in der Bibel menschliches Denken sehr hoch geschätzt, Weisheit und Erkenntnis gelobt würden. „Wir Menschen können Entscheidungen treffen, abwägen, was richtig ist und was falsch, wir können unsere Wege planen und wir dürfen es auch“, sagte sie. „Wir tragen Verantwortung für die Folgen unserer Taten und für unser Leben.“
Der gewählte Spruch sei sowohl Zuspruch als auch Anspruch. „Gott ruft uns auf, die Welt mit unseren Fähigkeiten zu einem besseren Ort zu machen. Wir können die Welt gestalten durch unsere Pläne. Wir dürfen gewiss sein, Gott geht mit und richtet sie auf das Ziel aus. Im Vertrauen darauf, dass es gut werden wird, sind wir unterwegs“, sagte die 33-Jährige.
In diesem Bewusstsein gehe sie auf ihre neuen Aufgaben zu. In Wesseling werden die Kinder- und Jugendarbeit und die Begleitung der Konfirmanden ihre Schwerpunkte sein. In der Uniklinik wird sie Teil des Seelsorge-Teams. „Hier komme ich mit Menschen zusammen, die nicht in unsere Gottesdienste kommen“, ist ihr wichtig. Und: „Wir müssen da sein, wenn Menschen in existenziellen Notlagen sind.“
Abschließend gab ihr Superintendent Markus Zimmermann Worte der persönlichen Wertschätzung mit auf ihren Weg: „Wir haben es als Kirche ja im Moment nicht ganz so leicht, aber wir strahlen dadurch aus, dass wir Menschen wie dich haben, die mit einer großen Authentizität und einem Gottvertrauen die Botschaft Jesu Christi verkündigen. Liebe Gemeinde Wesseling, die Sie heute hier sind, freuen Sie sich auf diese Verkündigung!“
Text: Gabi Bossler
Foto(s): Gabi Bossler
Der Beitrag „Gott und die Menschen sind gemeinsam unterwegs“: Johanna Menzemer feierlich ordiniert erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.
