Am Ende siegte die Kirche – und es folgten die entsprechenden Sprüche: „Da hat ja dann auch noch jemand mitgeholfen“, meinte Spielleiter Bernhard Dähne. „Ich weiß gar nicht, warum uns nie jemand etwas zutraut“, konterte Markus Zimmermann, Vorsitzender des Bevollmächtigtenausschusses des Kirchenkreises Köln-Linksrheinisch.
So scherzten die Teilnehmer des Boulespiels, das unter dem Titel „Kirche trifft Wirtschaft“ auf dem Platz neben der Golfanlage Citygolf in Pulheim stattfand. Um den Sieg ging es dabei auch weniger als um den Austausch zwischen den einzelnen Partien an den Tischen im Schatten. Neben Zimmermann und Verwaltungsleiter Markus Besserer vom Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch, Gastgeber der Veranstaltung, waren zwei Vertreterinnen der Hochschulen da, Vertreter der Kreishandwerkerschaft Rhein-Erft und der Interessenvertretung Frechener Unternehmer, der Bundesagentur für Arbeit und des Wirtschaftsclubs Köln. Und so spielten von insgesamt fünf Teams immer zwei gegeneinander, während die anderen Zeit für Gespräche hatten.
Warum sich die Kirche mit der Wirtschaft vernetzen sollte? Das konnte Superintendent Markus Zimmermann genauer erklären: „Beide tragen Verantwortung für die Gesellschaft, gerade in schwierigen Zeiten müssen sie sich für Demokratie und Freiheit einsetzen“, erläuterte er. In der Kirche und in der Wirtschaft spielten Kreativität eine Rolle und der Mut, neue Wege zu gehen. Es ginge auch darum, wahrzunehmen, was die Menschen brauchen. Die Wirtschaft sei auf zugewanderte Arbeitskräfte angewiesen. Das würde in dem aktuellen politischen Klima immer schwieriger. Besserer fügte an, man müsse beispielsweise überlegen, wie Kirche die Unternehmen vor Ort dabei unterstützen könne, die Zuwanderer besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren und sie zu halten.
Dabei war man sich mit den Wirtschaftsvertretern einig, dass die Migranten, die gerne arbeiten wollen, auch arbeiten dürfen müssen. Zu viele bürokratische Hemmnisse würden sie daran hindern.
Gemeinsame Herausforderungen für Kirche und Wirtschaft
Peter Ropertz, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rhein-Erft, schilderte, dass zugewanderte Arbeitskräfte Familienbetrieben helfen könnten, die Schwierigkeiten haben, Arbeitskräfte und Nachfolger zu finden. Christian Kerner, Vorstand des Wirtschaftsclubs Köln, sah die Treffen mit der Kirche als Möglichkeit, um die Wirtschaft wieder einzunorden: „Es gibt ethische und moralische Grundlagen, die Unternehmen auch berücksichtigen müssen“, sagte er. Im Arbeitsalltag und im Laufe des Lebens gerate das leicht in Vergessenheit. Durch den Austausch würden diese wichtigen Themen wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. „Man kann auch Erfolg auf wertebasierter Basis haben“, betonte Kerner. „Man muss die Menschen, die in Unternehmen arbeiten, mitnehmen, ihnen zuhören, sie verstehen und sie einbinden.“ Er sah gemeinsame Herausforderungen für Kirche und Wirtschaft:
Wie die Kirche sich aktuell wandele, müssten sich auch die Unternehmen wandeln, nachhaltiger und gemeinwohlorientierter handeln. „Eine Gutsherrenmentalität hat keine Zukunft mehr“, so Kerner.
Auf dem Bouleplatz schlug sich derweil auch das Hochschulteam bravourös.
Beate Braun, Professorin für Vertrieb und Marketing in Wismar und Inhaberin der Firma Braun Concept, die sich mit Bildung und IT beschäftigt, trug sodann im Gespräch ihre Perspektive zu gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen bei: „Man muss den Menschen wieder in den Fokus holen.“ Angesichts der Entwicklung der KI sei es dringend nötig, sich philosophische und ethische Fragen zu stellen. Dabei sei die Kirche ein wichtiger Ansprechpartner.
Das Team der Agentur für Arbeit, das am Ende auf dem letzten Platz landete, hatte ebenfalls einen guten Grund, um mit von der Partie zu sein, völlig unabhängig vom Ausgang des Spiels: „Die Kirche ist für uns ein Arbeitgeber“, sagte Johannes Klapper, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Köln. „Wir arbeiten stark mit kirchennahen Organisationen zusammen, mit den Wohlfahrtsverbänden.“ Es sei wichtig, sich zu vernetzen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie man Menschen in Arbeit und Jugendliche in eine Ausbildung bekäme.
Nach der Siegerehrung gingen dann alle von Gesprächen inspiriert ihres Weges, mit Gottes Segen, Vorfreude auf das kommende Treffen und Hoffnung: „Die Letzten werden die Ersten sein“, zitierte Klapper aus der Bibel.
Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch
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