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Gerade hat Pfarrerin Miriam Haseleu (links) die Auszeichnung an Sonja Fatma Bläser (2.v.l.) und weitere Mitglieder des HennaMond-Team überreicht. Foto: Engelbert Broich

Anhaltender Applaus in der Kölner Antoniterkirche: Der Verein HennaMond – Mut, Rat und Lebenshilfe e.V. erhielt die Pfarrer-Georg-Fritze-Gedächtnisgabe für 2025/26. Der Verein berät, unterstützt und begleitet Mädchen, Jungen, Frauen und Männer, die von familiärer Gewalt, Zwangsverheiratung und drohendem Ehrenmord betroffen sind. Gründerin und Geschäftsführerin Sonja Fatma Bläser nahm mit weiteren Team-Mitgliedern die Ehrenurkunde und den symbolischen Scheck entgegen. Die mit 10.000 Euro dotierte Gedächtnisgabe wird seit 1981 alle zwei Jahre vergeben, dieses Jahr erstmals vom Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch, erläuterte Pfarrerin Miriam Haseleu.

Auszeichnung für Menschen und Gruppen, die sich für Verfolgte einsetzen

„Der Kölner Pfarrer Georg Fritze war einer von wenigen in der Hitler-Diktatur, die ohne Rücksicht auf ihr eigenes Schicksal für die Opfer des Nationalsozialismus eintraten. Für ihn war das eine Konsequenz seines christlichen Glaubens“, sagte Haseleu. Die Gedächtnisgabe sei den Opfern von Diktatur, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen gewidmet. „Auch heute, in einer Zeit, in der die Demokratie als Ganze angegriffen wird, sind vulnerable und marginalisierte Gruppen gefährdet und drohen aus dem Blick zu geraten“, stellte Haseleu fest. Umso wichtiger sei es, hinzuschauen, zuzuhören und ein Zeichen zu setzen, auch innerhalb der evangelischen Kirche. Die Religionslehrerin Dörte Münch und der Schulreferent Thomas vom Scheidt beleuchteten Lebensabschnitte des Pfarrers.

Grußwort von Bürgermeisterin Britta von Bülow

„Man muss etwas tun.“ Wegsehen wäre einfacher gewesen, doch Georg Fritze mischte sich ein. „Wir leben in einer Zeit, in der demokratische Werte und das Vertrauen in unsere Gesellschaft unter Druck stehen.“ Menschenfeindliche Positionen würden sichtbarer. Man müsse Betroffene sichtbar machen und selbst mutig Stellung beziehen. „HennaMond schaut hin, hört zu mit Fachwissen, Beharrlichkeit und Menschlichkeit.“ Es gehe darum, Menschen ihre Selbstbestimmung zurückzugeben und ihnen zu zeigen: „Du bist nicht allein.“

Parallele gezogen in der „10-Minuten-Andacht“

Pfarrer Markus Herzberg sprach über die „ganz hervorragende Vision“ von HennaMond, „dass alle Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen sollen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion, sexueller Orientierung“. Der Prophet Jesaja habe im Kern dieselbe Sehnsucht formuliert. Genau das zeichne HennaMond aus: Der Verein warte nicht darauf, dass irgendwann etwas besser werde, sondern setze es heute um. Herzberg sagte: „Sie öffnen Augen, sie holen Menschen aus dem, was sie zerschlägt.“

Vorstellung von Verein und Hilfenetz

Sonja Fatma Bläser stellte den vor zwanzig Jahren gegründeten Verein und sein immer weiter ausgebautes Hilfenetz vor. Die 1964 im türkischen Kars geborene Schriftstellerin lebt seit ihrem neunten Lebensjahr in Deutschland und befreite sich hier aus einer patriarchalisch geprägten muslimischen Familie. Bläser schilderte Notlagen von Mädchen und Frauen aus internationalen Familien. Unabhängig von ihrem Alter werde ihr Leben noch immer von den Vorstellungen der Eltern bestimmt. „Trotzdem werden in manchen Familien patriarchalische Traditionen, überholte Normen und bestimmte religiös begründete Vorgaben an die nächste Generation weitergegeben.“ „Das Traurige ist, dass selbst im 21. Jahrhundert, mitten in Deutschland und hier in Köln, noch immer über das Leben von Mädchen und Frauen entschieden wird.“ Man müsse immer wieder neu aufklären und sensibilisieren. Es gehe keineswegs um wenige Einzelfälle: Allein 200 Betroffene kontaktierten jährlich HennaMond.

Aus deren Geschichten schrieb Bläser ein Gedicht, das sie nun vortrug. Bläser finde es traurig, dass der Verein Jahr für Jahr um benötigte finanzielle Mittel kämpfen müsse, „um Menschen zu schützen und manchmal sogar Leben zu retten“. Der Schutz von Menschenleben dürfe keine freiwillige Leistung sein, sondern müsse eine Selbstverständlichkeit sein. Bläser verstehe den Preis nicht nur als Anerkennung für das HennaMond-Engagement, sondern auch als Zeichen dafür, dass vor allem die Menschen gesehen werden, „für die wir unsere Arbeit machen“.

Laudatio: Menschen, die sich einmischen

Shary Reeves, Moderatorin und Autorin, hielt die Lobrede Foto: Engelbert Broich

Shary Reeves würdigte in ihrer Lobrede das HennaMond-Team: Ehre gebühre den Menschen, die nicht wegsehen, sondern sich einmischen. „Ihr geht dorthin, wo es manchmal sehr unbequem wird.“ Die Moderatorin und Autorin verwies auf steigende Gewaltzahlen: „Aber eine Zahl hat keinen Namen.“ Eine Zahl habe keine Angst davor, dass die eigene Familie ihr gefährlich werden könne. „Menschen haben diese Angst.“ HennaMond sage ganz klar: „Gewalt ist Gewalt.“ „Ein Mädchen ist kein Eigentum ihrer Familie. Tradition ist keine Generalvollmacht, die Würde eines Menschen zu verletzen.“ Für HennaMond sei „keine Kultur der Welt wichtiger als die Freiheit eines Menschen“.

Fritze stand gegen das große Schweigen seiner Zeit – HennaMond steht gegen das unserer Zeit

Der Antifaschist Georg Fritze habe früh verstanden, dass man nicht neutral bleiben dürfe, wenn Menschenwürde verhandelbar werde. HennaMond stehe gegen das Schweigen unserer Zeit: hinter Wohnungstüren, in Familien und bei denen, die sich lieber nicht einmischen wollen. „Doch manchmal muss man sich einmischen.“ Wegsehen helfe immer den falschen Leuten. Reeves wandte sich an Bläser: „Du hast aus eigener Erfahrung eine Haltung, eine Überzeugung mitgebracht“ und mit anderen zusammen „ein Hilfenetz aufgebaut“. „Du hast es nicht nur überlebt, du hast etwas daraus gemacht.“ Herzlich dankte die Laudatorin dem HennaMond-Team für Mut, klaren Blick, langen Atem und „für jedes Leben, das durch euch ein Stück freier wird“.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

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