Du betrachtest gerade „Abschiede dürfen wir feiern“: Monika Crohn nach 40 Jahren in Weiden entpflichtet
Im vollbesetzten Jochen-Klepper-Haus entpflichtete Markus Zimmermann Pfarrerin Monika Crohn in einem Gottesdienst. Foto: Stefan Rahmann

40 Jahre im Dienst der Kirche sind eine lange Zeit. Als Monika Crohn 1986 ihren Weg in den kirchlichen Dienst begann, wurde Walter Wallmann im Kabinett Helmut Kohls erster deutscher Umweltminister. Die gewerkschaftseigene Wohnungsgesellschaft „Neue Heimat“ wurde für eine Mark an den Schlüpferproduzenten Horst Schiesser verkauft. Und der Bundestag verabschiedete – ja, damals schon – ein neues Asylrecht, das unter anderem die Rückführung abgelehnter Asylbewerber beschleunigen und die Einreise erschweren sollte.

Vier Jahrzehnte für die Kirche

Seit dem 1. Oktober 1990 war Crohn in der Gemeinde Weiden tätig, zunächst als Pfarrerin im Sonderdienst mit den neu zu versorgenden Arbeitsgebieten „Taufprojekt“ und „Übersiedlerarbeit“ sowie pfarramtlichen Funktionen für Lövenich. Im November 1993 wurde sie als Nachfolgerin von Volker von Eckardstein auf die 1. Pfarrstelle im Bezirk Weiden-Nord/Lövenich gewählt. Nun entpflichtete Markus Zimmermann sie in einem Gottesdienst im vollbesetzten Jochen-Klepper-Haus. Zimmermann ist Vorsitzender des Bevollmächtigtenausschusses im Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch und war lange Jahre Superintendent im Kirchenkreis Köln-Nord.

„Gott segne deinen Blick zurück und deinen Blick nach vorn“, wünschte Zimmermann der scheidenden Pfarrerin für den Ruhestand. „Komm zur Ruhe und genieß die neue Wohnung.“ Dass sie einmal Pfarrerin werden würde, habe nicht von Anfang an festgestanden. „Das war eine Option. Du hast dich immer auch für Mathematik und Naturwissenschaften interessiert“, sagte Zimmermann. Schließlich studierte Crohn Theologie in Tübingen und Hamburg – und kümmerte sich schon damals um andere. „Ohne deine Nachhilfe hätten einige, die später im Pfarrdienst arbeiteten, das Graecum wohl nicht geschafft.“ Nach dem Studium trat sie eine Stelle als Pfarrerin im Hilfsdienst in Bayenthal an.

Zimmermann würdigte Crohn als engagierte Predigerin, die sich für die Ökumene starkgemacht und Menschen bei Taufen, Trauungen, Beerdigungen und in der Seelsorge begleitet habe. Dabei habe sie stets gewusst: „Fürchte dich nicht. Weiche nicht, denn ich bin dein Gott.“ Crohn bot auch Exerzitien im Alltag an, organisierte Frauentage mit und schob ein Projekt für Wohnungslose mit an. Ein Bauwagen als Unterkunft stand lange im Garten des Jochen-Klepper-Hauses.

„Besonders dankbar bin ich für unsere intensive Zusammenarbeit im Kreissynodalvorstand. Du warst 18 Jahre lang stellvertretende Superintendentin“, sagte Zimmermann. Crohns Arbeit in dem Gremium sei auch von Pragmatismus geprägt gewesen. „Wir müssen immer davon ausgehen, dass wir an allem schuld sind. Wofür jetzt konkret?“, erinnerte er an einen ihrer Sätze.

Der Mensch und die Erde gehören zusammen

Pfarrerin Monika Crohn war seit 1990 in der Gemeinde Weiden tätig. Nach 40 Jahren im Dienst der Kirche blickt sie dankbar auf ihr Wirken zurück. Foto: Stefan Rahmann

„Abschiede dürfen wir feiern, denn wir haben Grund zu danken. Und das ist ein Grund zum Feiern in dem Vertrauen, dass Gott unsere Wege beschützt“, sagte Crohn in ihrem Entpflichtungsgottesdienst. „All eure Sorge werft auf Gott, denn Gott sorgt für euch.“ Im Mittelpunkt ihrer Predigt stand der Schöpfungsbericht aus dem Buch Genesis: Gott formt den Menschen aus Staub vom Erdboden, haucht ihm den Lebensatem ein und setzt ihn in den Garten Eden.

Gottes große Gestaltungskraft zeige sich auch darin, wie er den Garten geschaffen habe. „Mensch und Erde gehören von Anfang an zusammen. Von Erde bist du genommen, zur Erde sollst du werden“, erklärte Crohn. Der Mensch habe seinem Schöpfer staunend gegenübergestanden, zunächst alles erkundet, geschmeckt und gesehen und dabei die Freundlichkeit des Schöpfers erlebt.

Die Pfarrerin erinnerte an eine Reise nach Bad Muskau in der Oberlausitz, an der deutsch-polnischen Grenze. Der dortige Fürst-Pückler-Park sei ihr ein wenig wie der Garten Eden erschienen: „Welche Sichtachse tut sich als nächste auf, was verbirgt sich hinter der nächsten Biegung des Weges?“ Gott habe den Menschen mit zwei Aufgaben betraut: den Garten zu bewahren und zu bebauen. Ein sinnerfülltes Leben hätten jene, die dem Ganzen dienten. „Hass und Krieg sind nicht Gottes Wille.“ Mensch und Natur sollten sich achtsam begegnen, an die Entwicklung zum Guten glauben und in sie investieren. Das gelte auch für die Gemeinden und den Kirchenkreis. Jeder und jede trage Verantwortung für die Menschen, die unter veränderten klimatischen Bedingungen zu leiden hätten.

Wasser als Hoffnungsbild

Auch das Thema Wasser griff Crohn auf. Im Buch Genesis stehe in der Wüste Wasser im Überfluss zur Verfügung. „Wasser bedeutet Leben und ist somit ein Hoffnungsbild für die Erde.“ Indirekt sei es zudem eine Nahrungsquelle für Menschen und Tiere. Die Kirchengemeinden sollten ihren Beitrag leisten, etwa indem sie Wasser von den Dächern sammelten. „Nimm so viel du brauchst, aber nimm nicht mehr“, sei das Gebot der Stunde. Die Gier nach Mehr müsse ein Ende haben. Es gelte, die Hoffnung hochzuhalten, dass das Leben siege.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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