Du betrachtest gerade Äpfel am Altar, Geschichten am Tisch: Erntedank zum Beispiel in Brühl

„Der Dank gehört für mich zu den schönsten Festen“, sagt Pfarrerin Sandra Nehring. In der Jakobuskirche in Brühl wird dieser Dank jedes Jahr vor dem Altar sichtbar: in einem Korb Äpfel, einem Kürbis aus dem Garten und weiteren Lebensmitteln, die Menschen aus der Gemeinde mitbringen. Nach dem Gottesdienst dürfen die Gaben wieder mitgenommen werden. Für Nehring zeigt sich darin, wie nah Dank und Teilen beieinanderliegen.

Erntedank wird traditionell meist am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. Die geschmückten Altäre erinnern daran, wie eng Mensch und Natur verbunden sind. Für Sandra Nehring beginnt die Bedeutung des Festes mit Fragen, die im Alltag leicht aus dem Blick geraten: „Woher kommen eigentlich meine Lebensmittel? Wer produziert sie und unter welchen Bedingungen?“ Sie denkt dabei auch an die Lebensbedingungen der Tiere und an die Arbeit der Menschen, die Lebensmittel herstellen und verarbeiten.

Am Sonntag, 4. Oktober, feiert die Evangelische Kirchengemeinde Brühl Erntedank in der Jakobuskirche. Der Gottesdienst beginnt um 9 Uhr; anschließend kommt die Gemeinde zum Brunch zusammen. Jede und jeder bringt etwas fürs Buffet mit – von veganen Speisen über selbst gemachtes Apfelgelee bis zum Kuchen. „Dann bringt jeder das mit, worauf er Hunger hat“, sagt Nehring. Beim Essen werden Gerichte entdeckt und Geschichten geteilt. „Man kann sich einmal ein bisschen kulinarisch durch die Gemeinde hindurchschlemmen.“

Pfarrerin Nehring erzählt vom Brunch nicht nur als Mahlzeit, sondern als Gelegenheit, zusammenzukommen. Da sind Menschen, die sonst allein frühstücken, Familien, die sich mit anderen Erwachsenen austauschen, und Kinder, die miteinander spielen. „Es ist auch ein kleines Fest gegen die Einsamkeit“, sagt sie. Auch die Erntegaben am Altar werden Teil dieser Gemeinschaft. Nehring hat erlebt, dass Menschen Lebensmittel mitnehmen, die sie in der kommenden Woche brauchen. Für manche sei es nicht leicht, die eigene Not sichtbar zu machen. Gerade deshalb berührt es die Pfarrerin, wenn jemand sich traut, etwas anzunehmen. „Das finde ich immer etwas, was mich sehr berührt.“

Im christlichen Verständnis gehören Danken und Teilen zusammen. In Brühl wird dieser Gedanke sichtbar: in den Gaben vor dem Altar, im gemeinsamen Essen und darin, dass Lebensmittel dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Die Gemeinde feiert am 4. Oktober in der Jakobuskirche, Unter Eschen 24, und freut sich auf Besucherinnen und Besucher.

Text: APK
Foto(s): APK

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