So richtig lange überlegen musste Pfarrer Simon Manderla nicht, als Marcus Hanf und Ralf Perey, Ausrichter von Musik- und Kulturveranstaltungen im Kölner Süden, mit ihrer Idee zu ihm kamen. „Eigentlich überhaupt nicht!“, sagte er schmunzelnd. „Die Idee war einfach zu gut. Dass Kirche auch ein Raum der Entspannung, des geselligen Zusammenkommens an einem Sommerabend sein kann.“ Eine gute Zeit haben mit Lounge-Musik, Comedy live, Snacks und Getränken – der Name war Programm: In der Sürther Auferstehungskirche hatte „ChurchChill“ jetzt Premiere. Und die war dann auch gleich komplett ausverkauft.

„Wie schön, dass so viele Menschen hier in Liegestühlen in der Kirche sitzen. Das hatten wir noch nie“, so Manderla zur Begrüßung lachend. „Ausruhen, Pause machen, Atem holen ist etwas zutiefst Menschliches, das brauchen wir alle immer wieder.“ „Chillen“ sei zudem auch etwas Biblisches. In der Schöpfungsgeschichte habe Gott die ganze Welt geschaffen, die Erde, Pflanzen und Tiere und am Ende den Menschen, so Manderla. „Und dann, am siebten Tag, legte Gott mal die Füße hoch. Vielleicht machte er sich auch gute Musik an, holte sich einen Cocktail – am siebten Tag ist Pause“, spann er den Faden zur Erheiterung des Publikums weiter. Da war der Übergang zur Anmoderation von Comedian Rafael Krause ein Leichtes: „Freude und Spaß gehören schließlich zum Chillen dazu“, so Manderla.
Comedy, Stille und ein verspäteter Applaus
Krause unterhielt sein Publikum, das es sich überwiegend in Liegestühlen gemütlich gemacht hatte, mit Stand-up-Comedy über den Alltag, die Familie, kleine Missverständnisse und natürlich über die Liebe. Bei Letzterem nahm er die Hilfe der Anwesenden in Anspruch. Die reagierten auf seine Aufforderung „Wer ist hier verheiratet? Bitte mal klatschen!“ allerdings erst einmal unisono mit Stille. Doch bevor die Fantasie des Comedians allzu weite Bögen schlagen konnte, kam auf seine zweite Nachfrage doch ein deutlich vernehmbarer Applaus der verheirateten Paare. Rafael Krause ist in der Kölner Comedy-Szene unter anderem aus dem Umfeld des „BOING! Comedy Club“ bekannt; er traf bei seinen beiden Auftritten am Abend mit feinsinnigen Alltagsbeobachtungen den Nerv des Publikums.
Dann wurde es mit der Band „Wolfgang Behrendt & friends“ so richtig „chillig“. Mit einer Mischung aus Soul, Bossa und Jazz begeisterte das Trio aus Sängerin Claudia Rimbach, dem Gitarristen Rolf Marx und Wolfgang Behrendt am Piano die gut 90 Gäste sichtlich.
Eingestimmt waren sie schon, denn vor Beginn der Veranstaltung hatte Detlef Lauenstein, bekannt als Musiker der Kölschband „3 Söck“, die eintreffenden Gäste mit Melodien auf seinem Akkordeon unterhalten. „Das war für mich eine schöne Gelegenheit, in mein neues Veedel reinzuschnuppern. Ich bin ja gerade erst von Rondorf nach Sürth gezogen“, sagte er, begeistert vom Ambiente der Veranstaltung. Das waren auch Ralf Perey und Marcus Hanf. Perey hat mit der Organisation von Lasershows in Kirchen der Kölner Stadtteile Weiß und Rodenkirchen schon Erfahrungen mit Veranstaltungen in außergewöhnlichen Räumen.

Ganz spontan hatten sich Johannes, Matthias und Marion Krause sowie Barbara Schulte entschlossen, bei „ChurchChill“ dabei zu sein: „Wir haben zusammen einen Indien-Abend gemacht und dabei kam die Idee auf, auch dahin zusammen zu gehen. Wir finden es super, den Kirchenraum auch mal anders zu nutzen!“ Nicht aus Sürth, aber schon „aus dem Kölner Süden“ waren Kai Saurbier und Viola Krause gekommen, die bei Aperol Spritz und Mojito an einem der Stehtische in der Abendsonne standen – die Lounge-Musik aus der Kirche war auch hier gut zu hören. Andere „chillten“ in ihren Liegestühlen in der Kirche bis zur Pause und versorgten sich dann mit Salzgebäck, Kölsch oder einem der Cocktails, die es jeweils mit und ohne Alkohol gab.
Zugaben bis weit nach Programmende
Nach einer Pause ging es in die zweite Staffel mit Comedy und fein arrangierter Lounge-Musik. Mal voller Energie und ausdrucksstark, mal leicht und schwebend, zog Sängerin Claudia Rimbach ihr Publikum in den Bann; Rolf Marx sorgte dabei für den feinen musikalischen Puls, gab den Songs Struktur und Groove. Wolfgang Behrendt am Piano legte mal ein weiches harmonisches Fundament, mal setzte er solistische Akzente und überzeugte das Publikum mit seinem Spiel zwischen Jazz, Latin und loungiger Leichtigkeit. „Das wollte die Musiker dann auch gar nicht mehr von der Bühne gehen lassen“, freute sich Ralf Perey. „Schluss war erst nach mehreren Zugaben und eine gute halbe Stunde später als geplant.“
Text: Gabi Bossler
Foto(s): Gabi Bossler
Der Beitrag Entspannen im Liegestuhl bei „ChurchChill“ Lounge-Musik und Comedy: Ungewöhnliche Premiere in der Sürther Auferstehungskirche erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.
