Pfarrer Jan Ehlert war unübersehbar auf alles vorbereitet: In bunten Badeshorts zum schwarzen Oberhemd begrüßte er seine eintreffenden Täuflinge und ihre Familien zum Tauffest am Strand des Otto-Maigler-Sees. „Jeder, den ich taufe, darf entscheiden, wie weit sie oder er in den See gehen möchte. Weil ich das vorher nicht wissen kann, ist ja klar, dass ich auch Badekleidung brauche“, sagte der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Hürth schmunzelnd. Vor Beginn des Gottesdienstes verschwanden die rot-blauen Shorts dann vorübergehend unterm Talar.

Ein Blick auf die Taufstatistik, eine originelle Idee und ehrenamtliche Helfende. Mehr brauchte es nicht für das große Tauffest am See. Acht evangelische Kirchengemeinden waren mit dabei, über 70 Täuflinge wurden für die Feier unter freiem Himmel auf dem weitläufigen Gelände des Strandbades in Hürth angemeldet. Viele von ihnen waren zwischen vier und sechs Jahren alt.
„In den Coronajahren konnten kaum Taufen stattfinden. Und Kinder, die in dieser Zeit nicht getauft wurden, wurden es oft auch in den Jahren danach nicht“, sagt Pfarrer Ehlert. „Deshalb haben wir uns überlegt, wie wir die Kinder, die ja jetzt teils schon im Grundschulalter sind, und ihre Eltern ansprechen können. Und wie wir ihnen ein besonderes Tauferlebnis und zugleich eine Feier anbieten können, die für alle passt und keinen riesigen Aufwand für die Familien bedeutet.“
Das hat geklappt. Der große Schwimmbad-Parkplatz war nahezu voll, weit über 600 Menschen – vom Säugling bis zum Großelternpaar – tummelten sich im Schatten der Bäume, saßen auf Picknick-Decken, auf Klappstühlen oder an gemieteten Biertischgarnituren. Mit dabei waren die Gemeinden Hürth, Frechen, Erftstadt-Lechenich, Lindenthal, Weiden/Lövenich, Klettenberg, Braunsfeld und Junkersdorf, unterstützt vom Segensbüro Hätzjeföhl. Elf Pfarrpersonen tauften Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene am Seeufer. Die Posaunenchöre von drei beteiligten Gemeinden sorgten für musikalische Begleitung.
Einmal kurz verschwunden war Täufling Timothey, er war mit seinen beiden älteren Brüdern und mit seinen Freunden über die Strandbad-Wiesen gerannt. Der Sechsjährige wollte wie seine Brüder Joseph und Nathaniel getauft werden. „Für uns als Familie war die Idee einer Taufe am See perfekt“, sagten seine Eltern Jennie und Martin Skupch. „Nach den anstrengenden Corona-Jahren haben wir den Zeitpunkt für seine Taufe irgendwie verpasst. Als wir die Info über das Tauffest im Netz gesehen haben, war klar: Das machen wir. Diese ungezwungene Feier unter freiem Himmel mit den Spielangeboten für die Kinder und mit Picknick ist einfach nur schön.“
„getauft, geliebt, gesegnet“
Festlich wurde es, als die Posaunen zum Gottesdienst einstimmten, der von Pfarrerin Dagmar Müller (Weiden/Lövenich), Pfarrer Hajo Kenkel (Frechen) und Pfarrer Jan Ehlert (Hürth) gemeinsam gehalten wurde. „Gott, wir sind heute hierher gekommen, um gemeinsam mit Dir das Leben zu feiern, denn Du bist die Quelle des Lebens. Deine Kraft ist mit dabei, egal wohin wir gehen, Deine Liebe lebt in uns jeden Tag. All die Täuflinge hier, sie alle gehören längst zu Dir“, stimmte Ehlert auf das Tauffest ein. „Vielleicht ein bisschen zu schief, vielleicht ein bisschen zu rund, vielleicht ein bisschen zu klein, ganz egal. Uns alle hast Du gewollt, wie wir sind. Heute kommen wir zu Dir Gott, weil wir wissen, Du findest uns gut. Und wir brauchen dich, in unserem Leben und dem Leben unserer Kinder.“
In Liedern zum Mitmachen bezogen die Pfarrpersonen Kinder und Erwachsene mit ein. Auch Pfarrer Hajo Kenkel erinnerte daran, dass Jesus jedes Kind liebt und annimmt. Dann erzählte er die Geschichte der Taufe durch Johannes den Täufer kindgerecht nach. Unzählige Menschen seien an das Ufer des Jordan geströmt, an dem Johannes taufte. Der habe dort zu ihnen gesprochen und sie dabei auch aufgefordert, ihr Leben zu ändern, so Kenkel weiter. „Wer mehr hat, als er braucht, teile es mit denen, die zu wenig haben.“

Pfarrerin Dagmar Müller erinnerte die Täuflinge an den Auftrag, den Jesus seinen Jüngern gegeben hatte – von seiner Liebe zu erzählen, sie selbst weiterzugeben und die Menschen zu taufen. Und an das Versprechen Jesu: „Seid gewiss, ich bin immer bei Euch, jeden Tag bis zum Ende der Welt.“
Dann wurde es für die Täuflinge spannend. Sie gingen mit ihren Familien und Freunden zum Strand, dort warteten ihre Pfarrpersonen unter farbigen Schirmen in Orange, Rot, Gelb, Lila, Türkis und Grün auf sie. Nach feierlichen Worten und dem Verlesen des Taufspruchs unterm Sonnenschirm ging es dann ans Ufer, wo mit Seewasser getauft wurde.
Gleich danach war wieder Spielen angesagt. Viele ließen sich ein Klebe-Tattoo mit dem Motto des Tauffestes „getauft, geliebt, gesegnet“ machen, wer wollte, konnte Seewasser in einem kleinen Fläschchen mit nach Hause nehmen, eine Spiegelfliese mit der Schrift „Du bist mein geliebtes Kind“ oder einen Tauffisch basteln. An der Planung und Organisation des Tauffestes war neben den Gemeinden auch das Segensbüro Hätzjeföhl aus Köln beteiligt.
Vollends zufrieden war auch die sechsjährige Leni mit ihrer Taufe, für die sie ein schönes Kleid mit rosafarbenem Gürtel gewählt hatte. Ihre Eltern Markus und Sabrina Deichmann chillten auf der Picknickdecke, plauderten mit Freunden. „Bei uns war eine Postkarte im Briefkasten der Auslöser, auf der über das Fest informiert wurde. Das Vorgespräch war dann so gut, dass Leni sehr gerne getauft werden wollte“, erinnert sich Sabrina Deichmann. „Ein Fest am See war genau richtig, weil sie wegen Corona nicht als Kleinkind getauft werden konnte.“ „Und eigentlich ist eine Taufe, die sie jetzt bewusst miterlebt hat, auch viel schöner“, findet Markus Deichmann. Findet Leni auch, denn so konnte sie sich ihren wunderschönen Taufspruch mit aussuchen. Er lautet: „Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege.“
Text: Gabi Bossler
Foto(s): Gabi Bossler, Oli Frank, Studio F/13
Der Beitrag Mit Seewasser getauft: Tauffest mit mehr als 600 Menschen am Otto-Maigler-See erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.


















