Du betrachtest gerade Zukunft gestalten: Evangelische Gemeinde Köln entwickelt neue Perspektiven für ihre Kirchenstandorte

Wie viele evangelische Kirchengemeinden in Köln und Region stellt sich auch die Evangelische Gemeinde Köln zukunftsfähig auf. Ziel ist es, ihre kirchliche, soziale und diakonische Arbeit langfristig zu sichern und ihre Gebäude an die Herausforderungen der kommenden Jahre anzupassen.

„In den letzten Jahren ist unsere Mitgliederzahl von knapp 19.000 auf 13.800 gesunken. Wir haben in sehr kurzer Zeit etwa ein Viertel unserer Kirchenmitglieder verloren – und damit einen erheblichen Teil der Mittel, die unsere Gemeindearbeit, unsere Gebäude und unser Personal tragen. Schon 2024 hat unser Presbyterium deshalb entschieden, zwei unserer Kirchen nicht länger als Predigstätten zu erhalten: die Thomaskirche im Norden und die Lutherkirche im Süden. Wir konzentrieren unsere Ressourcen auf drei Standorte, die langfristig tragfähig sind – die Antoniterkirche, die Christuskirche und die Kartäuserkirche“, sagt Pfarrer Markus Herzberg, Vorsitzender des Leitungsgremiums der Innenstadtgemeinde.

Die Lutherkirche in der Kölner Südstadt ist Teil dieses Prozesses. Die Entscheidung, den Standort neu aufzustellen und gemeinsam mit einem gemeinwohlorientierten Partner eine tragfähige Perspektive zu entwickeln, ist das Ergebnis eines sorgfältigen, demokratischen und transparenten Abwägungsprozesses. Ausschlaggebend sind neben dem Mitgliederschwund der hohe Sanierungsbedarf des Gebäudes, die Klimaneutralitätsziele der Evangelischen Kirche im Rheinland bis 2035 sowie umfangreiche gesetzliche Anforderungen an den Betrieb als Veranstaltungsstätte.

„Wir können die Trauer vieler Menschen in der Südstadt gut nachfühlen und teilen ihre Enttäuschung. Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Aber wir tragen als Presbyterium Verantwortung für die Zukunft der gesamten Gemeinde – für alle Kirchorte, für unsere Mitarbeitenden und für die langfristige Handlungsfähigkeit unserer Arbeit“, so Herzberg.

Die Evangelische Gemeinde Köln zieht sich jedoch nicht aus der Südstadt zurück. Kirchliches Leben sowie soziale und kulturelle Angebote werden an der Kartäuserkirche gebündelt, die auch künftig ein zentraler Ort für Gottesdienste, Seelsorge, Kultur und soziale Arbeit sein wird.

Gemeinsam mit einem geeigneten gemeinwohlorientierten Partner soll aus der Lutherkirche ein Ort entstehen, der soziale, diakonische und gemeinwohlorientierte Nutzungen miteinander verbindet – geplant sind unter anderem bezahlbare Wohnungen und Räume für Begegnung im Veedel.

Auch die Thomaskirche im Kölner Norden wird ab Oktober 2026 keine Predigtstätte der Gemeinde mehr sein. Für diesen Kirchort sind die Perspektiven bereits konkreter: Mit der Karl Immanuel Küpper-Stiftung hat die Evangelische Gemeinde Köln einen evangelischen Partner für die Entwicklung gefunden. Im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages investiert die Stiftung in ein soziales Wohnprojekt im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.

Wie zukunftsfähige Kirchenstandorte aussehen können, zeigen zwei bereits realisierte Beispiele aus der eigenen Gemeinde. Die Christuskirche wurde von 2013 bis 2016 grundlegend umgebaut: Erhalten blieb der denkmalgeschützte Turm, neu entstanden sind ein modernes Kirchenschiff, Gemeinderräume, bezahlbare Wohnungen und Büroflächen. Im AntoniterQuartier in der Kölner Innenstadt sind kirchliches Leben, Wohnen, Gastronomie, Handel und Veranstaltungen rund um einen lebendigen Kirchplatz zu einem offenen Quartier für die Stadt zusammengewachsen. Beide Konzepte ermöglichen der Gemeinde kirchliche Arbeit vor Ort und kirchensteuerunabhängige Einnahmen.

Zu den geplanten Maßnahmen im 2024 beschlossenen Zukunftskonzept, die jetzt sukzessive umgesetzt werden, sagt Markus Herzberg:

„Wir haben mit viel Vorlauf informiert, offen eingeladen und Raum für Fragen und Kritik gegeben. Entscheidungen wurden transparent, über längere Zeit und im Team mit Haupt- und Ehrenamtlichen vorbereitet. Am Ende haben wir auf Grundlage der tatsächlichen finanziellen, baulichen und personellen Gegebenheiten Prioritäten gesetzt und entschieden. Dafür tragen wir als demokratisches Leitungsorgan der Gemeinde Verantwortung.“

Seit 2024 informiert die Gemeinde öffentlich über ihre Planungen; dazu gehörten eine Auftaktveranstaltung sowie sechs thematische Beteiligungsworkshops. Der Entwidmungsgottesdienst der Lutherkirche findet am 18. Juli 2026 um 14 Uhr statt, die Entwidmung der Thomaskirche ist für Mittwoch, den 30. September, um 18 Uhr terminiert. Die Veranstaltungen des Südstadtleben e.V. werden bis zum 31. Dezember 2026 fortgeführt.

Text: APK
Foto(s): Achim Bednorz, Nicolai Benner, Sandra Thomas, Collage: APK

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